Die vierte Generation

Lothar von Faber

Lothar von Faber übernimmt als ältester Sohn von seinem Vater Georg Leonhard die Bleistiftfabrik. Unter seiner Leitung entwickelt sie sich zu einem Unternehmen von Weltrang. Aufgrund seines wirtschaftlichen Erfolges und seiner fortschrittlichen Sozialleistungen wird Lothar 1862 der persönliche Adel verliehen.

Drei Brüder - drei erfolgreiche Bleistiftfabrikanten

Hintergrund Informationen zu Freifrau Ottilie von Faber (1831-1903)

Freifrau Ottilie von Faber, die Ehefrau des „Bleistiftbarons“ Freiherr Lothar von Faber (1817–1896), ist weit weniger prominent als ihre Enkeltochter Gräfin Ottilie von Faber-Castell (1877–1944). Doch zu Unrecht, denn sie war eine bemerkenswerte Persönlichkeit, ohne deren Einfluss das Schicksal des Unternehmens womöglich anders verlaufen wäre. Ihr ist es zu verdanken, dass die Firma die schwierige Phase nach Lothars Tod unbeschadet überstehen konnte.
Ottilie wurde am 14. Januar 1831 in Dinkelsbühl geboren. Schon in jungen Jahren beeindruckte sie durch ihr rhetorisches Talent, ihren eleganten Schreibstil und ihre musische Begabung, die von ihrer Mutter Caroline nach Kräften gefördert wurde. Zeitlebens beschäftigte sie sich mit zeitgenössischer und klassischer Literatur, denn sie war der Überzeugung, „echte Bildung macht Frauen keineswegs unweiblich.“ Insofern war sie die ideale Partnerin für Lothar von Faber, denn ihm „dünkte das Schönste im Leben ein gebildetes Weib“. Nach ihrer Hochzeit am 1. August 1847 fand sich Ottilie trotz ihrer Jugend in ihrer Rolle als Ehefrau eines emporstrebenden Industriellen schnell zurecht. Sie musste nicht mehr wie die Frauen der früheren Generationen bei der Bleistiftherstellung selbst Hand anlegen, doch mit ihrer gehobenen sozialen Stellung verband sich ein vielfältiges Aufgabengebiet: Sie und Lothar „wirkten unermüdlich beide zusammen“ bei der Verwaltung des immer umfangreicher werdenden Familienbesitzes, der nicht nur Fabriken und Geschäftshäuser, sondern auch landwirtschaftliche Güter und Landsitze umfasste. In Stein organisierte sie den mehrfachen Umbau des „Alten“ Schlosses und gestaltete die Parkanlage. Sie führte ein großes Haus, übernahm repräsentative und caritative Aufgaben und empfing illustre Gäste wie König Maximilian II. von Bayern nebst Gattin, den „Märchenkönig“ Ludwig II. sowie den Kronprinzen Ludwig von Bayern.

Ottilie von Faber mit ihrem Sohn Wilhelm

1851 brachte sie ihr einziges Kind, Sohn Wilhelm (†1893), zur Welt. Sie erzog ihn mit liebevoller, aber energischer Hand, da  auf ihm die Hoffnungen des Familienpatriarchen ruhten.
Um ihn möglichst gut auf seine zukünftige Aufgabe als Geschäftsführer eines international tätigen Unternehmens vorzubereiten, sorgte sie dafür, dass er ein Internat in der Schweiz besuchte. Sein später unerwarteter Tod traf sie wie „ein zerschmetternder Blitzstrahl aus heiterem Himmel“. 

Lothar, Ottilie und ihre Enkelinnen Hedwig, Ottilie und Sophie von Faber

Ottilie widmete sich intensive der Erziehung ihrer drei Enkeltöchter, die sie zu Disziplin, sinnvoller Betätigung und Bescheidenheit anhielt. Wenn auch Lothar dem damaligen Zeitgeist entsprechend die Geschäfte führte, war sie als Miteigentümerin der Firma in die geschäftlichen Vorgänge eingeweiht und wusste mit diplomatischem Geschick manch heikle Situation zu meistern. Als seine engste Vertraute setzte Lothar sie als Erbin des Unternehmens ein, denn er wusste, „daß sie dasselbe in meinem Sinn und Geist und nach meinen ihr wohlbekannten Lebensprinzipien verwalten wird.“ Nach seinem Tod 1896 übertrug Ottilie seinem Wunsch entsprechend langjährigen Mitarbeitern die Geschäftsführung, die ihr bei der Bewahrung des bedeutenden Erbes zur Seite standen. Die Eheschließung ihrer Enkeltochter Ottilie mit Alexander Graf zu Castell-Rüdenhausen 1898 empfand sie nach den Jahren der Trauer als „Lichtstrahl in dem Leben der Familie Faber“. Im Vertrauen auf Graf Alexanders Fähigkeiten nahm sie ihn zwei Jahre nach der Hochzeit in die Firmenleitung auf. Nach einem erfüllten Leben starb sie am 27. Januar 1903: „die Tage sind stets zu kurz und das Leben verfliegt wie ein Traum.“

 

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